A piece in the style of Sonoaviatics
A PIECE IN THE STYLE OF SONOAVIATICS
[Hannes Hoelzl and Magdalena Kobzová]
Small sounds from Heike, CPU coolers, a bent radio and a distortion pedal for the guitar solo without guitar. Amplified and sent to fly in orbit of OKNO Space.
Recordings Sonoaviatics
Further information
http://www.earweego.net (outdated but relevant...)
http://www.youtube.com/watch?v=coufc-1qz4o
Pamphlet 1:
Institut für Sonoaviatik
Projekte:
ImaginAirports :
KHM - altitude 2003
KHM - ArtCologne 2003
Schiedam 5.1 Windmills Kaleido/Collidophone
Molens Volans
panta drhei
WorldWideWinds
Lehrinhalte :
• Das Ubiquitäre Prinzip Der Drei Ebenen
[ Das DreiKörperProblem / TriEllipticLoop ]
• Ästhetik und Anästhetik des Schwebenden Klangs
• prophylaktische & pathologische Tinnitologie und Cochlea-Aerobic
• Poetik und Technik der Klangflug-Praxis
• Kleingruppenseminare Schall&Flug
• Klang-Anarchitektur im 21. Jahrhundert
• Re-Domestikation frankierter Kulturkakophonien
• Reverse / Future Sound Archeology:
• Die Zukunft der Klänge (f)liegt sedimentiert in Schichten
unterschiedlicher Höhe über dem Boden; zB. das 22 Jh. ist in Mitteleuropa in ca. 2m Höhe und sinkt langsam herunter zur Gegenwart.
• Freundliches Anlocken von scheuen freilebenden Klängen
[ in freier Wildbahn? / a.d. roten Liste]
• Phonoballistik und Geraeuschhermeneutik zu destabilisierenden Zwecken
• Exploration des Phasenraums
• Quelle, Speicherung, und Feedback als Klang-Attraktor
• Raum - Klang - Zonen
...
to be continued...
Pamphlet 2:
Sonoaviatik
Sono-aviatik bedeutet die Kunst der Klangfliegerei.
Klänge können sich auf Flugbahnen durch den Raum bewegen. Wellenfelder können im Raum schweben, sich um sich selber drehen, sich gegenseitig durchdringen und den Raum als Ganzes bewegen.
Unter dem Stichwort sonoaviatik existiert auch eine andauernd in den Lüften schwebende Institution, sie hat zur Aufgabe mögliche Landeplätze für Klänge zu erkunden einzurichten und in Betrieb zu nehmen.
Grundlegend für die Praxis der Klangfliegerei ist die räumliche Vorgestellungskraft unseres Hörsinns, die im Gleichgewichtssinn verankerte körperliche Hörraumerfahrung.
Unsere beiden Innenohrschnecken schweben wie gemeinsam tanzende Nautilusse im weiten unendlichen Klangmeer.
Einersetis orten wir einzelne Klänge, erkennen sie und können mit unseren eigenen Stimme antworten. Andererseits sind wir taktil körperlich immer mit dem akustischen Wellenfeld konfrontiert, ja von ihm vollständig durchdrungen und sind fähig aus diesen Körperreizen den Raum um uns herum zu erfassen.
Das Radarhören beschreibt das Abtasten des gesamten Umraumes, das Scanen des Moments. Dabei befinden wir uns im Zentrum unseres eigenen Wahrnehmungsfeldes.
Im Gegensatz dazu beschreibt das Radiohören das Erkennen einer für uns relevanten Nachricht, die wir entziffern und verstehen.
Wir sind einzelne Personen, die sich durch den Klang der eigenen Stimme hörbar machen und so im sozialen Raum anwesend sind, wir haben eine Stimme, wir stimmen ab und bestimmen was wir gemeinsam machen wollen.
Radarhören und Radiohören sind komplementär.
Es fällt uns schwer gleichzeitig die Nachricht zu verstehen und sie im Raum zu orten.
Radiotechnisch schliessen sich Radar und Radio gegenseitig aus. Die Frage, ob für unseren Hörsinn der Schallwellenbereich ähnliche Bedingungen stellt, führt zu äusserst spannenden Überlegungen.
Die Sonoaviatik stützt sich gleichsam auf die akustischen Reflexionen von statischen Bauten, als auch auf ein entsprechend disponiertes Netz von elektroakustischen Klangwandlern.
Die terrestrischen Lande- und Startbahnen für Klänge sind erst rudimentär erforscht.
Schon ein durchschnittlicher Hinterhof bietet aber ein grosses Potential für die Klangfliegerei.
Der offene Luftraum ist absolut entscheidend.
Ohne frischen Wind, ohne Turbulenzen, ohne drohende Gewitter, ohne Blitz und Donner sind Klangflüge bloss Simulationen.
Alle Tonstudios, ja selbst geschlossene Aufführungssäle sind vom Standpunkt der Sonoaviatik Klangraumsimulationsräume.
Was bringt es einen Überschalljet im Hangar vorzuführen, seine Motoren mit voller Stärke dröhnen zu lassen und dann das Konzert zu beenden?
Den grundsätzlichen Unterschied zu allen geschlossenen Surroundsystemen kann man mit einem kleinen Heliumballon und einem Piezolautsprecher jederzeit selber ausprobieren.
Die eigene Stereoanlage im Hinterhof aufbauen und einen Heliumballon mit einem kleinen Lautsprecher langsam hochsteigen lassen. Das Lautsprecherkabel ist gleichzeitig die Ballonschnur, man wähle deshalb eine besonders feines Kabel.
25m, ja 50m sind gut erreichbar.
Wenn man beginnt das Bodenmonitorsystem mit dem schwebenden Klangpunkt zu korrelieren, erfährt man wirklich erstaunliche Dinge.
Ein schwebender, sich im Wind ständig bewegender Klangpunkt über einem statischen System ist ein sehr vielfältiges und äusserst lebendiges Klangraumobservatorium.
Nur schon die kanalunabhängige Lautstärkenmodulation kann dem Spieler ein erstes Gefühl für den durchsichtigen, schwebenden Klangraum vermitteln.
Es ist, als ob der Wind die Seegel strafft und das kleine Boot wirklich zu fahren beginnt.
Der Echoraum eines Hinterhofes kann als ganzes bespielt werden, die Lautsprecher können immer optimaler positioniert werden, bis die Klangraumstimmung so fein getrimmt ist, dass die Klänge zu schweben beginnen.
Genauso wie es Akordharmonien gibt, gibt es Klangraumharmonien.
Genauso wie es Tonhöhenresonanzen gibt, gibt es Raumresonanzen, und das auch in offenen Räumen.
Die Luft als Medium streut, beugt, diffundiert, transportiert den Schall so „persönlich“, das jeder Ort immer einen ganz eigenen Klangcharakter zeigt, natürlich abhängig von Tageszeit, vom Wetter (Temperatur, Wind, Feuchtigkeit), von der Jahreszeit.
Komplexere Lautsprechermobiles erlauben es mit grosser Feinheit nicht nur Klänge im Raum schweben zu lassen, sondern gleichsam Klangräume zu erzeugen.
Der Akustische Raum selbst beginnt sich zu öffnen, ein Gefühl von unglaublicher Leichtigkeit erfasst den Mithörer, eine Ahnung von unbekannten Harmoniedimensionen klingt an.
Unterbricht man abrupt ein solch aktiviertes Wellenfeld, stellen sich unangenehme Entzugserscheinungen ein. Es ist als ob man um den Raum betrogen würde in dem man eben noch grad selber anwesend war.
Deshalb sind Klangrauminstallationen auf kontinuierliche Dauer eingerichtet.
Klangarchitektur befasst sich mit andauernder, unsichtbarer, ephemerer Raumgestaltung. Klangarchitektur befasst sich mit dem Stimmen statischer Architektur, mit dem Energiefluss der Binnenräume, der Transparenz möglicher Raumhüllen und radial sich ausbreitenden Aussen- und Fernräumen.
Verschiedene Klangarchitekturtypen können bereits erkannt werden.
Der Klangturm zum Beispiel ist ein gut erprobtes Beispiel wie Innenraum, Klangmembran der Raumhülle und Fernraum zusammenwirken.
Hier sei darauf hingewiesen, dass die vertikale Achse für das Verständnis des Klangraumes absolut entscheidend ist.
Aus unerfindlichen Gründen sind technische Wiedergabesystem fast ausschliesslich auf einen horizontalen Hörhorizont beschränkt und bieten daher eher eine akustische Projektionsfläche an, die uns als Rundhorizont ein erstes Gefühl von Raum vermittelt. (Auch die Versuche der Wellenfeldsynthese zeigen in diese Richtung, obwohl sie eine neuartige Raumplastizität anstreben).
Ebenfalls sehr wirkungsvoll sind die Klangallee und der Klanggarten. Das Zusammenspiel von Wasserflächen, Lichtreflexionen und offenen Klangräumen ist besonders reich an sinnlichem Potential.
Ganz entscheidend ist der Umstand, dass man in den Klang hineingehen kann.
Der Klang selber öffnet sich, ein eigener vibrierender Binnenraum entsteht. Im Klangraum selber hört man durch diesen Klangraum hindurch in den Raum ausserhalb der ersten Klangraumhülle. Der Klangraum wirkt sozusagen als Klanglinse und eröffnet Klangperspektiven die über mehrere Klanghorizonte reichen können.
Unser Gehör ist gut eingerichtet einen Klangraum von einem Quadratkilometer, bzw Kubikkilometer zu erfassen.
Ein Klangfeld mit mehreren vernetzten Klangraumkuppeln (zum Beispiel mehrere Hinterhöfe, Vorgärten, Dachterassen und Balkone) öffnen ein sehr Wirkungsvolles Potential.
Ein solches Klangfeld besitzt eine Vielzahl von Klangzonen, von Klangkorridoren und eignet sich schon sehr gut für Klangstart- und Landebahnen.
Imaginairport
Vom Object musicale der Musique Concrete zu Klangskulpturen –
von Klanginstallationen zur Klangkunst-
vom Klangturm zur Stadtklangarchitektur
diese verkürzte Orientierung öffnet einen erstaunlichen Blick auf ein gutes Jahrhundert Klangentdeckungsreise.
Präziserweise müsste man sagen Klangraumentdeckungsreise.
Hier wird deutlich dass es sich lohnt genau zu unterscheiden zwischen dem Klang und dem Klangraum, zwischen dem Ton und seinen Echos, zwischen dem Signal und dem Wellenfeld.
Viele Vorstellungsfallen und arge Missverständnisse lauern überall.
Unpräzise euphorisierte Begriffe und modischer technoslang halten in gar keiner Weise was sie versprechen. Das Kartenhaus an sogenannt medientheoretischen Überlegungen muss sich an der schieren Klangraumpraxis bewähren.
Alle Mediensysteme sind „Aufschreibsysteme“ sind Reflexionswelten, Spiegellabyrinthe. Raffinierte Spiegelachsen und Verzerrungsmechanismen täuschen uns und wir sind allzu schnell bereit ein Spiegelbild für eine Person zu halten. Zumal wir durch einfachste Eingriffe in diese Speigelmechanismen verführt werden zu glauben, wir würden die Quellen kontrollieren.
Wenn ein Holzfäller das Gefühl hat, der eben vom ihm gefällte Baum gehöre ihm, ist das eins, aber wenn wir das Gefühl haben, wegen ein paar Mausklicks gehöre uns der ganze Wald, werden wir einige sehr unangenehme Überraschungen erleben.
Zurück zum Klangflughafen
Der imaginairport ist ein dynamisches Vorstellungsgelände, das mit den realen Raumdimensionen auf unterschiedlichste Weise „Verbindung“ spielt.
Viel Vorstellung, viel Wind, viel Elektrizität, viel Information, viel Klang.
Wie ist das ganze geerdet?
Nehmen wir fünf altehrwürdige Windmühlen. Sie stehen in einem offen Kreis um ein zentrales Gebäude. Ein Freilichtmusem würde man sagen. Alte Technik, Holzwellen aus ganzen Eichenstämmen, Segelflügel und Kornmahlen, frühe Industrie und Nahrungsherstellung. Die riesigen Flügel bewegen sich schon bei wenig Wind äusserst behend und wir ahnen die Qualität der Seegelschiffsbaukunst des Zeitalters der Entdeckungen.
Ein unverbesserlicher Sonoaviatiker sieht natürlich sofort ein 5.1 Surroundsystem:
5 Drehflügel und einen zentralen Subwoover.
Die Drehflügel müssen nur je mit einem Lautsprecher versehen werden und vom Zentrum aus angesteuert werden können und ein noch nie dagewesenes Flugfeld wird erklingen.
Das das nicht ganz so einfach ist, ist klar, aber es ist sehr konkret möglich und das Projekt ist bereits in Planung.
Als Reale Basis für einen Klangflughafen eignen sich alte Gemäuer auf alle Fälle.
Die taktische Scheinarchitektur des Forte Belvedere in Florenz zum Beispiel. Offenbar von Micheleangelo für die Familie Medici als Tresorschutzvilla erbaut, würde sie heute eine im warsten Sinne des Wortes umwerfende Anlage für virtuelle Spielarchitekturen. Von der Renaissance direkt in den Medienbarok.
Das rotobossophon
Die Idee, einen Drehflügel als Basis für rotierende Klangwände zu benutzen, stammte einerseits tatsächlich von Windmühlen. Zum anderen gab jedoch ein kleines Kinderspielzeug den definitven Anstoss. Auf einem mit wenigen LED Leuchten bestückten Printplattenstreifen können verschiedene Lauflichtmuster wiedergegeben werden. Der ca. 5cm lange Balken ist in einem runden flachen Plastikgehäuse so montiert, dass der blinkende Schwungarm beim Ziehen eines kleinen gelben Plastikstreifens in schnelle Rotation versetzt werden kann.
Aus dem blinkenden Lichtbalken werden sofort langsam wechselnde Lichtmuster.
In Form eines grossen Sternes.
Setzt man statt der LED Leuchten eine Reihe von Lautsprechern auf einen Schwungarm erzeugt man bei wechselnden Drehgeschwindigkeiten ganz überraschende Klangwirbelgebilde.
Schon 4 einzel ansteuerbare Lautsprecher genügen um ein vielschichtiges Klangbild zu erzielen.
Neigt man die einzelnen Lautsprecher (Mittel/hochtonhörner) in verschiedene Richtungen sind die erzielten Klangbahnen im ganzen Raum geradezu mit den Händen greifbar.
Der bereits realisierte Prototyp hat eine Flügellänge von 3.5m, ist also aufgerichtet 7m hoch. Das Stativ, das den Drehflügel hält, kann in beliebige Schräglage gebracht werden, so dass ein schräg im Raum liegender Schwungkreis erzielt werden kann.
Die nach oben, nach vorne, nach der Seite und nach unten gerichteten Lautsprecher ergeben eine sehr vitale Klangraumgestalt. Die Möglichkeiten eines solchen Lautsprecherschwungkopfes sind vergleichbar mit dem Projektionskopf eines Planetariums.
Wie sieht das also nun aus mit dem projizierten Himmelsgewölbe?
Von einer zentralen rotierenden Kugel gehen die Klangbahnen aus und werden kürzeste Zeit später von der vorhandene Raumhülle zurückgeworfen.
Drei Momente also, das zentrale Klanghimmelsfeuer, die Reflexionen an den Wänden, Decken und Böden, der vom Wellenfeld durchkreuzte Zwischenraum.
Diese drei Moment bilden die erste Phase, die erste Raumsphäre oder den erste Raumkörper. Der Schall macht nicht Halt am gebauten Himmelszelt. Er durchdringt die Mauern, bringt sie je nach Material mehr oder weniger zum Schwingen und ein Anteil der Wellenfelder schwingt im Aussenraum weiter; das geschlossene Gewölbe strahlt radial in den Aussenraum.
Ausserhalb, der zweite Raumkörper. Dort wo sich die Umgebungsklänge mit dem radialen Feld des Aussenklangkörpers ausgleichen liegt die Randzone des zentralen Klanggewölbes. Hier beginnt der dritte Raumkörper. Eine feine Raumzone, sich ganz verflüchtigend, allerzartester Klangsaum.
Vielleicht gibt es Echopfeiler oder Wandwinkel die den Schall selbst aus dieser Zone wieder Richtung Ursprungszentrum zurückzuwerfen vermögen.
Nichts liegt uns ferner als mit diesen Fernechos spielen zu können, viel lieber donnern wir gewaltig drauflos, frontal, monumental, alles niederwalzend; unser Gehör betäubend unser Lautheitszentrum permanent reizend.
Der Lautheitsklangrausch löscht alles Raumgefühl, alle Empfindung für Weit und Fernzusammenhänge werden unmöglich.
Wie fliegen die Klänge?
Zwischen den Lautsprechern hin und her?
Kometengleich hat jeder Klang einen Kern und einen langen Schweif.
Fliegt der Klang weniger schnell als 500km/h eilen ihm immer Klangfelder voraus.
Ein stationärer, ein schwebende Klang strahlt nach allen Seiten. Die Luft, der Wind, Wände und Bäume gestalten die Form seiner Klangsphären.
Da liegt also die erste riesige Schwierigkeit: Wir hören die Schwalbe, wie sie pfeifend im Hof kreist und wir hören gleichzeitig den gesamten Flugraum des Hofes, mit allen seinen verwinkelten Wänden, Balustraden, Fenstergesimsen, gläsernen Liftschächten, Dachgartenbepflanzungen und Dachvorsprüngen.
Und wir hören die Klangwellen des Stadtklanges über die Dächer herunterfliessen, das Aufheulen der offenen Hofeinfahrt.
Wir hören also mehrere Geschwindigkeiten gleichzeitig.
Die Flugbahn der Schwalbe, wir orten den Anfang eines Pfiffs, folgen dann dem Flug, merken uns die Flugbahn und erwarten die Fortsetzung schon weiter vorne.
Wir reservieren in unserer Vorstellung eine mögliche Flugbahn.
Gleichzeitig hören wir die für unser Ohr zu einer Nachhallfahne zusammenfallenden Raumreflexionen: Wir erkennen dadurch die Grösse des Raumes, seine Tiefe, seine Weite, seine Höhe.
Die Geschwindigkeit des Schallfeldes, die sich mit 1000km/h ausdehnenden Wellenfronten, hören wir nur indirekt.
Schon ab einer Distanz von 30m können wir feststellen, dass wir den Schall zu spät wahrnehmen. Der Hammer des Arbeiters, der durch die Hofeinfahrt grad sichtbar ist, scheint oben in der Luft zu knallen und fällt absolut lautlos auf die Metallstange.
Verschiedene Geschwindigkeiten, verschiedene Laufzeiten, verschiedene sich unabhängig bewegende Klangquellen
Zu komplex?
Vom Standpunkt einer linearen Musikpartitur, oder vom Denken einer technischen Wiedergabe aus, präsentiert sich das Ganze als Gleichung mit mindestens 5 Unbekannten. Das heisst, das Problem ist auch mit gigantischen Rechenaufwand nicht einfach zu lösen.
Vom Standpunkt eines Stadtbewohners bedeutet diese Situation einfach Alltag.
Wenn wir am Morgen die Wohnung verlassen, die Strasse überqueren und dann den Bus nehmen, oder uns aufs Fahrrad schwingen, dann baden wir geradezu in diesen Klangwirbelströmen, wir lachen und reden miteinander, wenn wir über die Strasse gehen, telefonieren gleichzeitig und hören dabei wie der Bus von hinten heranfährt, drehen uns und steigen ohne mit der Wimper zu zucken in dieses stinkende vibrierende Monsterteil.
Als urbane Profis haben wir uns einen eleganten Weghörstil angeeignet. Ganz cool nehmen wir die ungeheuerlichsten Lärmtrakturen in Kauf. Von den Lärmkaskaden berauscht geniessen wir das somnambule Durchschweben der völlig zerrissenen Klangraumruinen, die uns täglich anstarren.
Hier wollen wir landen?
Genau hier?
Sich einfach hinsetzen, den Laptop aufklappen, sich ins Lan-funk-Netz einloggen und mit dem lokalen Host Verbindung aufnehmen, in der Klangmatrix eine Zone aktivieren und mitspielen.
Das mag Ihnen jetzt spanisch vorkommen, vor allem wenn neben jedem Laptop noch je ein Ventilator steht, der mit kleinen Lautsprechern versehen ganz eigenartig klingt und windet.
Eine Hängematte hängt zwischen den beiden Bäumen grad vor Ihnen. Im Laub versteckt vier scheinbar schwebende Plexisglasplatten mit je drei Autolautsprechern.
Vier in den Büschen versteckte kleine Subwoofer.
Ein Trompeter liegt in der Hängematte, spielt schaukelnd; seine Klänge werden von seiner eigenen Körperbewegung im Luftraum zwischen den Bäumen hin und herbewegt.
Von weiter hinten antwortet ihm ein Posaunist, beim kleinen Gartentisch sitzt Alexander, eine kleine Trommel ein Becken und den Laptop und spielt alle Klänge, die bei ihm über den kleinen Mixer laufen in die Matrix des soundlabs der khm.
Dort sitzen Hannes und Alberto und überwachen den Klangraum des ersten imaginairports im Hinterhof der Khm anlässlich der „altitude 03“ Ende Juli 2003.
Es war sehr heiss in jenem Sommer.
Zwischen dem Hinterhof am Filzengraben und Garten des Overstolzenhauses wurde die Strasse aufgerissen und wieder zugeteert
Flugzeuge flogen immer wieder über die Szene und der Verkehr der Rheinuferstrasse floss schwallweise durch das Klangflugfeld.
Ein mehr oder weniger zusammenhängender Stadtraum mit drei Zonen: Einem Hinterhof, einem Garten und einem Balkon.
Man kann alle drei in etwa 7min zu Fuss durchqueren, sie sind durch eine Strasse getrennt, liegen aber alle drei im direkten Hörfeld der Glocken der ....Kirche. Der Glockenturm kann als akustisches Leuchtfeuer gedacht und die Glockenklänge zur Synchronisation der an sich getrennten Raumzonen angepeilt werden.
Flugzeuggeräusche sind zeitgleich an allen drei Orten zu hören.
Ab 25m über Grund dringen also Schallereignisse gleichzeitig und auch etwa gleich laut in die drei Zonen,
Die drei Bodenzonen bilden drei Inseln eines an sich zusammenhängenden Klangfeldes, sie sind durch Gebäude, Strassen, Bäume und Lärm zumindest in relativer Bodennähe von einander getrennt.
Um ein Klangfeld zu bauen, sollen über mehrere hundert Meter Klänge anfliegen und auch wieder starten können. Zudem sollen Klangbahnen über dem Flugfeld kreisförmig, spiralförmig oder ellipsenförmig sich entfalten können.
Lautsprecherarrays am Boden bilden Leuchtfeuerketten, in etwa 10-20m Höhe sind einzelne bidirektionale Effektlautsprecherelemente an Seilen freihängend verspannt. Diese sind so gerichtet dass sie die Reflexionsflächen von Hauswänden Dachvorsprüngen und Gesimsekannten optimal ausnützen und ein reiche Gesamt-Raumklanggestalt erzeugen können.
Auf Lautsprecher die auf Stativen auf Kopfhöhe oder etwas darüber positioniert werden, wird nach Möglichkeit verzichtet.
Die Klangarchitektur ist dann optimal gestimmt, wenn keine Lautsprecher mehr herauszuhören sind, sonder der Klang unmittelbar im Raum klingt. Dann erst kann die Klangraumbewegung wahrgenommen werden, dann erst kann der Klang schweben, sich langsam hin und herwiegen, sich in immer grösseren Kreisen bewegen und schliesslich in eine offene Parabelflugbahn einschwenken und davonfliegen.
Andres Bosshard, 2003